Du warst bisher noch nie klettern oder bouldern?  Und nun überlegst du demnächst das erste Mal eine Boulder- oder Kletterhalle zu besuchen? Dann bist du genau richtig! Hier erfährst du alles, was du wissen musst!

Vorab: Das ist eine super Idee! Okay, zugegebenermaßen bin ich etwas voreingenommen, was dieses Thema betrifft 😉

Zu aller erst ist es wichtig, dass du weißt, was der Unterschied zwischen (Sport-)klettern und Bouldern überhaupt ist. Dann kannst du dir überlegen, was von beidem dich mehr anspricht und was du bevorzugst. Da Bouldern aber etwas unkomplizierter ist, empfehle ich dir dies zuerst auszuprobieren, wenn du herausfinden möchtest, ob dir klettern generell spaß macht. Weiterhin würde ich unbedingt empfehlen nach Möglichkeit mit einem Freund / einer Freundin hinzugehen vorzugsweise mit Boulder-Erfahrung.

Wenn du statt zu bouldern lieber deine ersten Erfahrungen in einer Sportkletterhalle machen möchtest, solltest du nur mit einem erfahrenen Kletterer hingehen, dem du vertraust und der sicher sichern kann. Falls du niemanden kennst, kannst du einen Schnupper- oder Grundkurs in der Halle deiner Wahl buchen.  

Im folgenden Beitrag verrate ich dir, auf was du vor und während deines ersten Besuchs achten solltest, denn in Kletter- und Boulderhallen gibt es offene und stillschweigende Verhaltensregeln, die jeder kennen sollte:

  • Nur mit Kletterschuhen klettern. Wenn du keine Kletterschuhe hast, kannst du dir welche vor Ort gegen eine kleine Gebühr ausleihen. Sportschuhe sind in manchen Hallen auch zugelassen, ich empfehle allerdings unbedingt Kletterschuhe zu leihen, da es ein ganz anderes Gefühl ist und man einen deutlich besseren Halt auf den Tritten hat.
  • Immer Chalk (Magnesia) nutzen. Falls du kein Chalk besitzt oder es von einem Freund mitbenutzen kannst, kann man sich in der Regel, in der Kletter- oder Boulderhalle Chalk ausleihen. Die Benutzung der Griffe ohne Chalk wird nicht gerne gesehen. Da sich durch den Schweiß und Dreck auf der Haut die Poren der Griffe zusetzen und damit nach einer Weile nicht mehr griffig sind. Dadurch kann man sich nicht mehr so gut festhalten oder darauf stehen und die Gefahr wird immer größer wird, davon abzurutschen.                    Andererseits sollte man auch aufpassen, dass man mit seinem losen Chalk nicht alles vollnebelt sodass sich eine riesige Wolke bildet, auch das wird nicht gerne gesehen. 
  • Immer auf die anderen Kletterer Acht geben! Das ist vermutlich das Wichtigste. Wenn man an der Kletterwand entlang läuft oder um eine Ecke biegt, immer ausreichend Abstand halten. Es kann jederzeit passieren, dass ein Kletterer von der Wand stürzt. Daher auch auf keinen Fall unter einem Kletterer durchlaufen, der im Überhang klettert. Falls du mit Kindern in einer Boulder- oder Kletterhalle unterwegs bist, solltest du ihnen diese Regeln unbedingt einschärfen. Oft erlebe ich, wie diese Regel missachtet wird und so unglaublich gefährliche Situationen entstehen.
  • Routen nicht ewig blockieren. Wenn offensichtlich mehrere Personen an ein und derselben Wand oder gar Route klettern möchten, macht man seinen Versuch und auch wenn es nicht geklappt hat, lässt man dann erst die anderen Wartenden an die Reihe, bevor man einen neuen Versuch startet. Das gehört sich einfach so und die meisten beachten diese ungeschriebene Regel automatisch.
  • Vor dem Einstieg in eine Route immer prüfen, wo diese lang führt und schauen, ob sich vielleicht im Verlauf der Route bereits ein Kletterer befindet. Wenn dem so ist, wartet man, bis dieser aus dem Bereich rausgeklettert ist.
  • Spotten. Spotten macht in der Halle immer dann Sinn, wenn die Gefahr besteht, dass der Kletternde im Falle eines Sturzes unglücklich landen könnte, beispielsweise auf dem Kopf oder Nacken. Beim Spotten sollte man immer darauf achten, dass man sich selbst nicht in Gefahr begibt also der Kletternde auf einen stürzen kann. Man drückt ihn bestenfalls an Schultern und Hüfte in eine bessere Position beim Stürzen.
  • Lass deinen Kram nicht auf der Matte herumliegen. Außer den Chalkbags, Seilen usw. sollte nichts herumliegen, da man sich selbst oder Andere im Falle eines Sturzes auf eine Flasche o.ä. verletzen kann. Daher diese Dinge immer außerhalb der Kletter- bzw. Fallzone ablegen.
  • Aufwärmen. Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, solltest du dich vor dem Klettern immer aufwärmen, indem du deinen Kreislauf in Schwung bringst, deine Bänder dehnst und Gelenke lockerst (weiter unten mehr dazu).
  • Benutze große Griffe. Durch die Benutzung zu kleiner Griffe kann man seine Bänder und Sehnen in den Händen nachhaltig verletzen. Auch wenn du bereits sportlich und muskulös bist und dir die großen Griffe zu einfach erscheinen, wechsele nicht zu schnell auf zu kleine Griffe. Oder solche für nur einen oder zwei Finger. Bis sich Sehnen und Bänder ausgebildet haben, dauert deutlich länger als Muskeln. Es gibt auch immer schwierigere Routen mit guten bzw. großen Griffen.
  • Überschätze dich nicht. Wenn du dich beim ersten Mal klettern überbeanspruchst, steigt hier ebenfalls das Verletzungsrisiko und auch im Nachhinein wirst du es evtl. durch starken Muskelkater, oder gar Überbelastungsschmerzen bereuen. Also erstmal langsam angehen lassen und nicht übertreiben.

Prinzipiell gilt, wie im normalen Leben auch: Nimm Rücksicht auf deine Mitmenschen und bringe dich und andere nicht gedankenlos in gefährliche Situationen.

Trotz allen Tipps, empfehle ich dir, dich bei deinem ersten Besuch einweisen zu lassen oder mit jemanden hinzugehen, der schon öfter klettern oder bouldern war. 

Mit Aufwärmen Verletzungen vorbeugen

Anfangs bin ich des Öfteren beim Herunterspringen auf der weichen Matte mit dem Fußgelenk umgeknickt und habe mir dabei ziemlich wehgetan. Zum Glück nichts allzu wildes, doch im schlechtesten Fall können dabei wirklich schlimme Verletzungen entstehen, bis hin zum Bänderriss. Auch bei ungewohnten Übungen kann man sich verletzen, etwas zerren oder überdehnen. Daher ist es immer wichtig sich vor dem Klettern ordentlich aufzuwärmen indem man sich dehnt, die Gelenke durch ausschütteln oder Kreisen lockert und den Kreislauf in Schwung bringt. Erst einmal ein paar leichte Routen sehr langsam, bedächtig und so effizient wie möglich klettert und von angenehmer Höhe abspringt, sodass der Körper, die Gelenke und Sehnen sich auf die bevorstehende Belastung einstellen können. So kann man Verletzungen vermeiden und gleichzeitig an seiner Gelenkigkeit und Sturzangst arbeiten. Und dies gilt nicht nur für unsportliche Menschen. Auch wenn du sportlich bist und am liebsten so schnell wie möglich losklettern möchtest, solltest du dich immer zuerst aufwärmen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Beachte die Routenführung 

Um zu erkennen, wie eine zusammenhängende Route geklettert werden soll, gibt es verschiedene Markierungsmethoden, die von Halle zu Halle unterschiedlich sind. In manchen Hallen werden die Start- und Endgriffe mit farbigen oder beschrifteten Zetteln angezeigt, in anderen Hallen werden die Routen und deren Schwierigkeitsgrad durch die Farben der Griffe markiert. Wie die Reihenfolge der Schwierigkeitsgrade angeordnet ist, findest du meist mehrmals in der Halle aushängend. 

Des Weiteren gibt es in manchen Hallen Startgriff-Markierungen. Dies erleichtert- oder erschwert den Einstieg manchmal enorm.

Wenn du dir nicht sicher bist, frag einfach beim Personal nach, damit du weißt, wie du es angehen kannst. 

Routenführung

Klettern mit Rückenschmerzen, anderen Krankheiten, Übergewicht oder im fortgeschrittenen Alter

Da ich leider von chronischen Rückenschmerzen geplagt bin und verschiedenste Probleme mit der Wirbelsäule habe, kann ich für meinen Teil sagen, dass ich meistens sehr gut mit dem Sport zurechtkomme. Es ist natürlich tagesformabhängig. Aber im Großen und Ganzen habe ich das Gefühl, dass es meinem Rücken durch die stärkere Muskulatur eher besser geht als vorher. Natürlich muss man immer in sich hineinfühlen, ob einem etwas gut tut oder nicht. Manchmal sind es bestimmte Bewegungen, die ich nicht machen kann oder die ich eher auslasse, weil ich denke, dass diese evtl. nicht vorteilhaft für meinen Rücken sein könnten.

Ich habe auch schon von Leuten gehört, die mit Klettern ihre Migräne in den Griff bekommen haben. Oder auch andere schlimme Krankheiten haben, aber dennoch mit wenigen Einschränkungen regelmäßig klettern bzw. bouldern gehen. Ich denke es ist in solchen Fällen immer sehr individuell zu betrachten, ob einem etwas guttut oder nicht. Aber wenn man es nicht versucht, wird man es nicht herausfinden können.

Das Gleiche gilt für ältere Menschen. Im Prinzip ist man nie zu alt mit dem Klettern anzufangen, so lange man sich im körperlich fit genug fühlt.

Prinzipiell würde ich aus eigener Erfahrung sagen, dass Sportklettern deutlich Sehnen- und Gelenkschonender ist als Bouldern, zumindest bis zu einer gewissen Schwierigkeit.

Auch Menschen mit Übergewicht, sollten sich nicht davor fürchten klettern einmal auszuprobieren. Klar ist es erstmal anstrengend, gerade wenn man den einen oder anderen Kilo mehr die Wand hochbringen möchte. Doch Klettern stärkt die Muskulatur und umso ausgeprägter diese ist, desto höher ist der Grundumsatz, also wird mehr Energie verbraucht, auch im Ruhezustand. Da klettern den ganzen Körper beansprucht, ist es also auch Ideal zum Abnehmen und gerade wenn du es zusammen mit Freunden angehst, macht das Ganze noch mehr Spaß und man bemerkt die Anstrengung gar nicht so sehr (vor allem im Vergleich zu langweiligen, immer gleichen Übungen zu Hause oder im Fitnessstudio).

Kleine Tipps zur ersten Technik

    • Versuche stets mit der Fußspitze die Tritte anzutreten, da du so das Bein beweglicher hältst und mehr Druck aufbauen kannst. 
    • Versuche dich nicht mit den Armen überall hochzuziehen sondern arbeite möglichst viel aus den Beinen heraus. Ich weiß das ist am Anfang schwierig und man denkt oft gar nicht dran. Doch die Beinmuskulatur ist deutlich größer und stärker. Außerdem werden es dir deine Arme am nächsten Tag danken (Muskelkater income 😉 ).

→ Generell gilt: Achte besonders auf deine Füße, denn daran denken die meisten Anfänger gar nicht und machen es sich so sehr schwer.

  • Wenn du eine Route nicht gleich beim ersten Versuch schaffst, probier‘ an der Problemstelle einfach mal verschiedene Dinge aus. Nicht immer ist es sinnvoll frontal zur Wand zur klettern und nicht immer die beste Wahl den rechten Griff mit der rechten Hand zu greifen und den Linken mit der linken Hand.  Die Routenbauer wollen euch auch geistig etwas herausfordern. Versuche dich von den Standartbewegungen zu lösen und erarbeite dir neue Bewegungsabläufe.
  • Falls du nicht weiterkommst, kannst du zuschauen, wie Andere an einer bestimmten Stelle vorgehen oder wenn du jemanden siehst, der offensichtlich gut klettert, kannst du auch immer fragen. Die meisten Leute sind echt locker drauf und helfen gerne. 

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